Selbstversorgung mit Hühnern
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Selbstversorgung mit Hühnern

Der Notfall muss nicht automatisch ein kurzer entscheidender Augenblick sein, es kann sich auch über Monate oder Jahre erstrecken. Ein Engpass an Kunstdünger, wie er wegen der Corona-Lockdowns ausgelöst und durch den Ukraine-Krieg verstärkt wird, mündet in einen Engpass mit Lebensmitteln. Vor allem Tiererzeugnisse und Fleisch werden wegen steigender Futtermittelpreise schnell zum knappen, aber begehrten Gut. Die Selbstversorgung mit Hühnern kostet durchaus einige Körner und etwas Arbeit, doch Eier und Fleisch werden zum kostbaren Tauschgegenstand. Geht einem doch das nötige Kraftfutter aus, landen die Hühner der Reihe nach im Topf und werden nicht zur weiteren Krise.

Was brauche ich für die Hühnerhaltung?

Vielen ist noch die Käfighaltung in beengten Drahtgestellen bekannt. Der Scherz um die Hühner, die sich selber rupfen, war schon damals nicht lustig. Allein wegen der artgerechten Haltung dürfen Hühner so nicht gehalten werden, sie brauchen einen sicheren Stall und einen Auslauf. Sicherlich sind einige m² besser, als kein Auslauf, die Hühner werden jedoch nichts mehr finden. Um die Futterkosten zu reduzieren, soll der Auslauf groß und ergiebig sein. Damit einem die Raubvögel nicht zuvorkommen, muss es jedoch regelmäßige Deckung geben. Im Idealfall würde der Selbstversorger sein Obstgehölz, vielleicht Nussbäume und auch Beerensträucher in den Auslauf pflanzen. Hühner fühlen sich mit Hahn und Deckung viel wohler, weil der Hahn aufpasst und warnt.

Es soll im Auslauf zudem einige trockene Stellen geben, hier richten die Hühner ihr Staubbad ein. Dieses dient der Parasitenabwehr, da der Staub bis auf die Haut rieselt und mitsamt einiger Parasiten herausgeschüttelt wird.

Meistens dürfen die Hühner nicht frei laufen, der eingezäunte Hühnerauslauf ist deswegen der Regelfall. Wer die Kosten reduzieren möchte, soll nur Hühnerrassen wählen, die kaum noch fliegen. Hier eignen sich Sussex, Plymouth Rocks oder Wyandotten. Für die Naturbrut sind hingegen Seidenhühner perfekt. Die kleinen Hühner brauchen wenig Futter und brüten sehr zuverlässig.

Der Hühnerstall muss ebenfalls Sicherheit bieten, da über Nacht Fuchs und Marder kommen. Nötige Luftöffnungen oder andere Schwachstellen lassen sich mit Marderdraht sichern. Die Hühnerklappe muss ebenfalls sicher abriegeln. Im Hühnerstall schlafen die meisten Hühnerrassen auf Hühnerstangen, das gibt ihnen ebenfalls Sicherheit. Unter diesen kann ein Kotbrett sein, um es beim täglichen Reinigen der Problemstellen einfacher zu haben. Auch die erhöhten Legenester sollen gut erreichbar sein.

Die Hühner richtig füttern

Hühner sind Allesfresser, die sich über eine saftige Wiese genau wie über einen Komposthaufen oder Gemüsereste aus dem Garten freuen. Sie fressen Gehäuseschnecken und nehmen dabei Kalzium für ihre Knochen oder Eischalen auf. Kleine Steinchen helfen bei der Verdauung, das Grünfutter bringt Vitamine und Kleintiere dienen als Proteinquelle. Im großen Auslauf reichen einige Körner, um die benötigten Kalorien aufzufüllen.

Werden die Hühner im Auslauf nicht fündig, kommt es auf die richtige Futtermischung an. Diese muss eine ausgewogene Proteinquelle wie Sojamehl enthalten, weil Hühner nicht alle Aminosäuren allein aufbauen können. Nicht nur das, während der Legesaison müssen über 3 % Kalzium und weitere Bestandteile wie Lysin enthalten sein, damit das Hochleistungs-Legehuhn keinen Mangel erleidet. In der Legepause schadet so viel Kalzium, weswegen nun das Hennenfutter angesagt ist, die Bruderhähne freunden sich mit Mastfutter an.

Während Hühnerstall und Hühnerzaun nur einmal errichtet und dann gepflegt werden müssen, geht das Hühnerfutter richtig ins Geld. Aber auch die Einstreu ist ständig zu erneuern, um den alten Mist zu kompostieren, damit er den Gemüsegarten düngt.

In der Krisenplanung bleibt ungewiss, was das Hühnerfutter künftig kostet oder ob es überhaupt noch erhältlich ist. Wer sich auf den Notfall vorbereitet, soll deswegen einen möglichst ergiebigen Auslauf einzäunen und geeignete Reste aus dem Gemüsegarten und der Küche gewohnheitsmäßig einfließen lassen. Geht es nicht anders, landen auch die jüngeren Hennen im Topf. Die Bruderhähne haben ohnehin nur bis zum Herbst, dann sind sie ausgewachsen.

Weniger Hühner werden im gleichgroßen Auslauf schneller satt und benötigen weniger Körnerfutter. Ist dieses wieder erhältlich, kann der Bestand wieder aufgestockt werden.

Hühner schlachten

Allein wegen der Bruderhähne wäre es eine wirtschaftliche Katastrophe, seine Hühner nicht zu schlachten. Diese werden immerhin bis acht Jahre alt und die Hennen legen bereits im zweiten, aber spätestens im dritten Legejahr schlechter.

Es bleibt zumindest für jeden Tierhalter, der seine Tiere kennt, unangenehm, sie zu schlachten und ganz einfach ist dieses nicht. Das Huhn ist zuerst an den Füßen so zu halten, dass auch die Flügelspitzen gegriffen werden. Es gibt einen Betäubungsschlag auf den Kopf, um anschließend mit dem Beil den Kopf abzutrennen. Dann werden Kropf und die Speise- sowie Luftröhre entfernt. Anschließend geht es mit Magen und Leber weiter, wobei aus der Leber noch die Gallenblase verschwinden muss und der geöffnete Magen zu reinigen ist. Vor diesen beiden Arbeitsschritten wird bereits der Darm entfernt, um zugleich die Kloake herauszuschneiden.

Das ausgenommene Huhn wäre am besten kurz in 70° Celsius warmem Wasser zu baden, um es dann zu rupfen. Nun lässt es sich kochen, braten oder grillen.

Was sich relativ einfach anhört, ist es zuerst nicht. Besser ist es, sich die ersten Male von jemandem mit Erfahrung aushelfen zu lassen. Wegen der Hygiene eignen sich diese Hühner aber nur für den Eigenbedarf, sonst wäre ein Sachkundenachweis und ein Schlachtraum notwendig.

Es ist wie bei anderen Dingen des alltäglichen Lebens eine Frage der Routine, mit der es einem leicht von der Hand geht. Selbst dann sind die meisten froh, wenn alles fertig ist und in den kommenden Wochen keine weiteren Hühner den Kopf verlieren müssen. Die Bruderhähne sind einem zumindest für ihre drei bis sechs Monate dankbar, die 50 % der Legehennen-Eintagsküken bis zur Gesetzesänderung nicht hatten.

Zuchtstamm für Bruteier ansetzen

Viele Hühnerrassen sind derart auf Legeleistung optimiert, dass die Hennen nicht mehr in Brutstimmung geraten. Deswegen werden die Bruteier anderen Rassen untergeschoben oder mit dem elektrischen Inkubator ausgebrütet. Gibt es in Krisenzeiten vermehrt Stromausfälle, ist der Erfolg mit Kunstbrut jedoch fraglich und die Leihglucke für Naturbrut überzeugender.

Im Normalfall soll ein Zuchtstamm aus einem vitalen Hahn und drei bis vier Hennen zusammengestellt werden. Alle Tiere sollen gute Eigenschaften mitbringen. Wer die Nachkommen nicht für die Zucht verwenden möchte, kann zwei Rassen mixen und erhält F1-Hybride. Mit der richtigen Kombination bringen diese Hybridhühner für das eingesetzte Futter mehr Leistung.

Die Bruteier sollen täglich aus dem Nest gesammelt und mit der Spitze nach unten in einen 10er-Karton für Eier gelegt werden. Wichtig ist, diesen Karton auf die Seite zu legen und mehrfach am Tag auf die andere Seite zu wenden. Der Lagerort soll 8 bis 15° Celsius warm sein, die relative Luftfeuchtigkeit muss bei 75 % liegen und es darf weder Zugluft noch Sonnenlicht geben.

Bruteier werden maximal für 12 Tage gelagert. Wer also genug für ein Gelege hat, entnimmt seiner Seidenhenne ihre Eier und schiebt ihr die Bruteier unter. Wichtig ist, dass die brutwütigen Seidenhennen ihre Gelege nicht in Sichtweite haben. Wer also zwei brütende Seidenhennen hat, soll die Gelege räumlich voneinander trennen. Gepolsterte Obstkisten eignen sich und lassen sich bequem versetzen. In Gelegenähe muss es Futter und Wasser geben. Sind die Küken geschlüpft, sollen diese mit ihrer Glucke erst im geschützten Raum bleiben und von den anderen Hühnern getrennt sein. Am einfachsten ist es, Kükenstarter und nach einigen Tagen Kükenfutter zu geben. Das Futter muss zumindest in den Schnabel passen.

Notfallrationen für die Krisensituation planen

Jeder weiß, dass Fleisch und Eier verderblich sind und in der Krisenvorsorge der Stromausfall einzukalkulieren ist. Dennoch lassen sich auch diese Güter in gewisser Weise haltbar machen. Demnach gibt es geräuchertes oder getrocknetes Fleisch, wobei hier meist kein Hühnerfleisch verwendet wird. Auch zum Pökeln wäre Hühnerfleisch untypisch. Bequemer wäre es, die dicksten Bruderhähne und ältesten Legehennen zuerst zu schlachten und das in regelmäßigen Abständen.

Bei den Eiern wird es mit dem Einlagern bei Stromausfällen schon einfacher. Wer die nötigen Zutaten und Steingutflaschen oder Einmachgläser bereithält, kann Eier einlegen. Hier gibt es verschiedene Techniken, die heute gängigste wäre wohl Soleeier in Einmachgläsern (hartgekocht in Salzwasser eingelegt), die bei richtiger Vorgehensweise zwei bis drei Monate haltbar sein dürften.

Auch hier geht es einfacher: Winterleger würden sich unter normalen Umständen anbieten, doch leider gibt der Auslauf im Winter nichts her und Kraftfutter ist knapp. Besser wären deswegen Marans, welche aus Frankreich stammen und eine besonders dicke und dichte Schale bilden. Nicht nur der Gasaustausch ist reduziert, Salmonellen können diese Schale nicht mehr durchdringen. Das bedeutet, dass Maran-Eier keine Überträger für Salmonellen sein können und zudem kühl gelagert über mehrere Monate halten. Normale Hühnereier sollten hingegen kühl gelagert innerhalb von zwei bis drei Wochen verbraucht sein. Hier empfiehlt sich vor dem Verzehr der Schwimmtest im Wasser: Liegt das Ei am Boden, ist es sehr frisch. Steht es auf der Spitze, soll es schnell verbraucht werden, schwimmt es bereits, landet es im Müll.

Wichtig bleibt, die Eier für die Lagerung nie zu waschen, da Wasser die Schutzschicht zerstört. Außerdem sollen Eier nicht auf dem dicken, sondern spitzen Ende stehen.

Neben diesen Aspekten bleibt es für den Krankheitsfall interessant, einige Hühner zu haben. Hühnerbrühe ist häufig das Erste, was gut bekömmlich ist und wirkt außerdem kräftigend. Es ist, als ob man am Tiefpunkt richtig Hunger auf die Hühnerbrühe hat und dann wieder hochkommt.

Ein Kommentar

  • Carsten

    Ein wirklich toller und sehr informativer Beitrag. Wer genügend Platz hat, für den sind einige Zwerghühner nicht nur Kriesenvorsorge sondern eine ideale Möglichkeit überschüssige Lebensmittel nicht wegwerfen zu müssen. Aber bitte auf eine Rasse mit guter Legeleistung achten.

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